Autonomie vs. Verbundenheit in Beziehungen

Wie schaffen wir eine gesunde Balance zwischen diesen beiden gegensätzlichen Polen?


Verbundenheit ist ein menschliches Bedürfnis, das tief in uns verankert ist - genau wie der Wunsch nach Autonomie bzw. nach Selbstbestimmung und Freiheit.


Beide Bedürfnisse zeigen sich bereits ab unserer Geburt, wenn wir uns aufmachen in die Freiheit "unseres" Lebens und uns nach und nach lösen aus unserer engen, symbiotische Verbindung zu unserer Mutter (und später auch zu unserem Vater und anderen Bezugspersonen).


Verbundenheit ist mit totaler Autonomie nicht kompatibel


Die persönliche Autonomie ist dem modernen Menschen von heute fast schon heilig. Am liebsten wollen wir jederzeit Herr über unser Leben sein und selbst darüber entscheiden, wann wir was machen, mit wem wir uns umgeben, wohin wir uns bewegen und wie wir Dinge angehen und umsetzen. Im Extremfall machen wir uns dabei völlig frei von den Wünschen und Erwartungen, die andere an uns haben bzw. haben könnten - leider katapultieren wir uns damit nicht selten geradewegs in die Isolation und Einsamkeit, weil wir nicht erkennen, dass hinter dem Bedürfnis nach völliger Autonomie und Selbstbestimmung immer auch die Angst vor Zurückweisung steckt.


Verbundenheit mit anderen Menschen ist mit totaler Autonomie nicht kompatibel. Denn Menschen, die miteinander in Verbindung sind "schwingen" sich aufeinander ein. Sie gehen aufeinander zu, nehmen sich in ihren Bedürfnissen und Gefühlen ernst, öffnen sich dem anderen und zeigen sich in ihrer Ganzheit als Mensch - also mit ihren Stärken, Potenzialen und Ressourcen, aber eben auch mit ihren Befürchtungen, Schwächen und Fehlern.


Das macht die Sache so schwierig, denn damit machen wir uns als Menschen angreifbar und verletzbar. Zwar können wir uns und anderen etwas vormachen, indem wir nur mit unseren Erfolgen und unseren Schokoladenseiten prahlen, aber die meisten Menschen haben hoch sensible Antennen dafür, wenn ihnen etwas vorgespielt wird und Schauspieler, die beliebig in ihnen angenehme Rollen schlüpfen, werden nach einiger Zeit als nicht authentisch entlarvt.


Autonomie und Verbundenheit sind als Paar ganz wunderbar


Autonomie und Verbundenheit können aber ein wunderbar, lebensspendendes Paar abgeben, wenn wir sie in unserem Leben miteinander in Balance bringen. Damit dies gelingt, ist es wichtig, dass wir mit unseren Bedürfnissen in einem guten Kontakt sind und so, je nach Situation, entscheiden können, welchem Bedürfnis wir bei einem Entscheidungskonflikt den Vorrang geben.


Folge ich der Einladung zu einem geselligen Essen mit Freunden oder ziehe ich mich mit einem Buch in meiner Wohnung zurück? Schreibe ich das Konzept jetzt zu Ende oder verbringe ich den Abend mit meinem Partner? Arbeite ich in meinem Home Office von zu Hause aus und habe damit viel Ruhe und Zeit für meine Aufgaben oder tausche ich mich in unserem Großraumbüro mit meinen Kolleginnen aus?


Es gibt keine Patentlösung für solche Fragen, aber wer mit sich in einem guten Kontakt ist - seine Bedürfnisse und Gefühle also kennt und achtet - wird in jeder Situation eine stimmige Antwort finden.

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